Warum du bald nicht mehr installieren darfst, was du willst
Manch einer in meinem Alter erinnert sich noch daran, wie man früher Software installiert hat. Man besorgte sich externe Datenträger (so Dinger wie Disketten oder später CDs) aus hoffentlich legalen Quellen, legte diese Datenträger in ein dafür vorgesehenes Laufwerk ein, startete einen Installationsbefehl, dann wartete man, wechselte unter Umständen den Datenträger und wartete dann noch ein bisschen mehr. In der absurden Phase kurz vor der flächendeckenden Durchsetzung der CD-ROM kam eine Software gerne mal auf einem Dutzend 3,5″-Disketten. Das machte also richtig Spaß. Später wurden die Internetzugänge zuverlässiger, schneller und vor allem günstiger, sodass man sich Software quasi ausschließlich online besorgte. Dazu besuchte man meist die Seite des Herstellers selbst und lud sich die Software direkt von dort. Unter den Linux-basierten Systemen setzten sich sehr bald auch Paketverwaltungen durch, hier ließ sich dann komfortabel an einer Stelle gebündelt Software suchen, installieren, updaten und auch wieder löschen. Super praktisch. Als sich dann die Smartphones und Tablets durchsetzten, machten sie die Paketverwaltung der normalen Bevölkerung bekannt. Allen voran Apple mit dem App Store und Google mit dem Play Store. Super einfach konnte man damit in einem immer größeren Fundus an Anwendungen stöbern, die mit einem Fingertipp installieren, wenn gewünscht auch genauso einfach wieder löschen und um Updates brauchte man sich keine Gedanken mehr machen, darum kümmerte sich der Store im Hintergrund. Das ist doch super praktisch, also was hab ich denn jetzt schon wieder zu meckern?
Nun, es ist ja klar in welche Richtung es hier wieder geht. Diese beiden großen App-Stores unterliegen der Kontrolle der Unternehmen Apple und Google. Gerade Apple rühmt sich damit, dass alle im App Store angebotenen Apps geprüft und sicher sind. Also wieder eine gute Sache für den Nutzer. Problematisch wird die Sache aber, wenn der vom Hersteller kontrollierte Shop die einzige Möglichkeit ist, eine Software auf sein Gerät zu bekommen. So wurde zum Beispiel im April 2025 in Apples App Store eine App namens ICEBlock veröffentlicht. Hier konnten Nutzer einfach und anonym Sichtungen der berüchtigten amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE melden und andere Nutzer damit warnen. Die App verbreitete sich rasant und hatte bald über eine Million Nutzer. Die Reaktion der US-Behörden ließ natürlich nicht lange auf sich warten und nach einigem Druck entfernte Apple die App aus seinem Store. Auch Google entfernte schließlich ähnliche Apps aus dem Play Store. Nun soll es hier ja gar nicht um diese spezielle App und ihren Anwendungsfall gehen, doch es zeigt, wie anfällig dieses System mit einem einzigen, kontrollierten Zugang zu Software ist. Entscheidet ein Anbieter, dass eine Software den Nutzern nicht mehr zugänglich gemacht wird, so haben diese (zumindest bei Apple) keine Möglichkeit mehr, diese Software zu nutzen. Natürlich ist es noch bedenklicher, wenn dem Anbieter von staatlicher Seite das Angebot diktiert wird. Nutzer von Googles Android-System hatten hier immer etwas mehr Freiheit, so war es bei Android immer schon möglich, auch Apps aus anderen Quellen als dem Play Store zu installieren. Man konnte sich, ganz wie früher am PC, die Installationsdatei von irgendwelchen Webseiten laden und installieren oder sogar alternative App-Stores wie z.B. F-Droid oder Aurora neben dem Play Store nutzen. Das ist teilweise etwas umständlicher und nicht immer ungefährlich, aber dem Nutzer wurde hier die Hoheit über sein Gerät gelassen. Und auch bei Apple schien sich da was zu tun: Bereits 2024 zwang die EU mit dem Digital Markets Act dazu, auch alternative Softwarequellen zuzulassen, in Japan wurde Ähnliches durchgesetzt und selbst in den USA gab es einen entsprechenden Gesetzentwurf. Also ist doch alles auf einem guten Weg, oder? Natürlich nicht. Apple wäre ja nicht Apple, wenn sie keinen Weg gefunden hätten, die von der EU geforderten Vorgaben formell einzuhalten, aber dem Ganzen riesige Hürden in den Weg zu stellen: Apple führte ein komplexes und undurchsichtiges Gebührensystem für die alternativen App-Stores ein, was im Februar 2026 beim ersten alternativen Store zur Aufgabe führte. Na gut, dann bleibt einem ja immer noch Android, wenn man sich nicht an einen einzelnen Softwarelieferanten binden möchte, oder? Leider hat sich Google da ein wenig bei Apple abgeschaut und kündigte im August 2025 an, dass sich spätestens ab 2027 nur noch Apps von „verifizierten Anbietern“ auf Android-Geräten installieren lassen. Diese Verifizierung ist im Vergleich zu Apples System noch recht einfach und günstig: Der Entwickler muss bei Google einen amtlichen Ausweis vorlegen und 25 Dollar zahlen. Nun ist es wahrscheinlich nachvollziehbar, dass sich nicht jeder Softwareentwickler vor Veröffentlichung seiner Software ausweisen will (siehe Fall ICEBlock) und auch für die Open-Source-Gemeinde, in der man üblicherweise seine Entwicklungen kostenlos mit der Welt teilt, ist es wenig förderlich, wenn Entwickler für ihr Engagement auch noch Geld bezahlen müssen. Nach einem gewaltigen Aufschrei hat Google im November 2025 einen „Advanced Flow“ angekündigt, der erfahrenen Nutzern erlauben soll, auch nicht-verifizierte Apps zu installieren, wie dieser Flow allerdings aussehen soll, ist bisher nicht bekannt. Ganz so düster wie bei Apple sieht es also aktuell bei Android noch nicht aus, aber es ziehen dunkle Wolken auf.
Also, was können wir tun? Das Erste muss ich in einem Blog, der sich um digitale Unabhängigkeit dreht, eigentlich nicht nochmal erwähnen, aber ich tue es trotzdem: Nutzt keine Apple-Produkte. Punkt. Android ist mit seiner immer enger werdenden Verzahnung mit Google zwar alles andere als das Gelbe vom Ei, aber bietet immer noch ein paar Möglichkeiten, sich in Teilen digital unabhängig zu halten. Damit das so bleibt, informiert euch ausführlicher über das anstehende Problem auf keepandroidopen.org, unterstützt diese Petition change.org, nutzt alternative App-Stores und helft dabei, auf das Problem aufmerksam zu machen. Besser noch: Nutzt Google-freie Android-Versionen wie GrapheneOS oder /e/OS, aber um ehrlich zu sein, soweit bin ich selbst auch noch nicht.

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